Das Pedelec als Fitness Gerät – Funktioniert das?

Pedelec auf der Rolle

In den einschlägigen Foren kocht immer wieder das Thema auf, ob denn Pedelecs überhaupt dazu taugen, körperlich fitter zu werden und das ein oder andere Kilo abzunehmen. Meine persönliche Erfahrung.

Kurz zu meiner Geschichte: Bis vor vier Jahren habe ich regelmäßig Radsport betrieben, mal mehr, mal weniger intensiv. Es kamen jedoch pro Jahr einige tausend Kilometer zusammen, auf dem Mountainbike, Rennrad und auch Cyclo Crosser. Im besten Jahr, 2008, in dem ich sehr begeistert mit dem Rennrad unterwegs war, waren es sogar knapp über 10000 Kilometer. In dieser Zeit wog ich 72 Kilogramm bei 1,83 Meter Körpergröße. Nach einer Krankheit, Umzug, einem neuen Job, einer Mit-Schwangerschaft und der daraus resultierenden Vaterschaft waren es dann plötzlich 20 Kilo mehr. Höchste Zeit, etwas dagegen zu tun.

Für mich ist das größte Hindernis schlicht und einfach die fehlende Zeit. Körperliche Betätigung nutzt natürlich nur was, wenn man es möglichst regelmäßig tut. Und natürlich ist auch Ausdauersport – also im Grunde eine Belastung im mittleren Pulsbereich, dafür aber über einen längeren Zeitraum – zum Abnehmen oder grundsätzlich für die Fitness besser geeignet und effektiver als eine kurze aber extreme Beanspruchung. Doch für einen Angestellten (am Schreibtisch) mit Full-Time-Job, der auch noch am Familienleben teilhaben will, bleibt einfach wenig bis gar keine Zeit mehr für Sport.

Was tun? Warum nicht einfach das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden? Hat man so wie ich einen Arbeitsweg, der gerade so zu lang ist, um regelmäßig mit dem normalen Rad zu fahren, bietet sich ein unterstützendes Pedelec geradezu an. Mein Weg ist knapp 25 Kilometer lang, über leicht hügeliges Terrain. Das ist für einen untrainierten Radler schlicht und einfach zu weit, vor allem im Hinblick darauf, dass man sich regelmäßig sportlich betätigen sollte, und nicht nur einmal pro Woche. Täglich 50 Kilometer mit einem normalen Rad? Mit einem Pedelec schrumpft diese Distanz jedoch zu einer angenehmen Länge. Für mich der wichtigste Punkt: Die Hemmschwelle, sich jeden Morgen auf das Rad zu setzen, sinkt ungemein.

Ich habe oft den Eindruck, dass gerade diejenigen Diskussionsteilnehmer, die sich vehement und aggressiv gegen motorunterstützte Fahrräder wehren, noch nie auf einem Pedelec gesessen sind. Natürlich ist es weniger anstrengend, das möchte ich gar nicht bestreiten. Aber im Gegensatz zu einem normalen Rad hat man hier den Vorteil, dass man den Grad der Anstrengung einstellen kann. Für Trainingszwecke ist das ideal, da man immer schön im richtigen Pulsbereich und innerhalb der gewünschten Kadenz bleiben kann, selbst bei steilsten Anstiegen. Und außerdem sind wir hier wieder beim Thema Hemmschwelle, durch die Unterstützung bügelt man sämtliche Hügel glatt, Hügel, auf die ich auf dem Weg in die Arbeit gerne verzichte.

Nach zweieinhalb Monaten und fast 1200 Kilometern spüre ich langsam, wie die einstige Leistungsfähigkeit wieder kommt. Mir ist durchaus bewusst, dass es keine „echten“ 1200 Kilometer sind. Meist fahre ich in einer Unterstützungsstufe, die die eigene Muskelkraft um ca. 100% verstärkt. Selbst wenn man also, naiv gerechnet, von der Hälfte der Kilometer ausgeht, ist das immer noch eine gute Strecke, die ich ohne ein Pedelec wohl niemals zurückgelegt hätte. Um nochmals auf den Punkt zu kommen: Ich denke, dass es auf eine Regelmäßigkeit der sportlichen Betätigungen ankommt. Und bei meinem Szenario hilft mir das Pedelec ungemein.

Resultat: Nachdem ich zusätzlich meine Ernährungsweise ein wenig umgestellt habe, habe ich mittlerweile über 5 Kilo abgenommen. Ich fühle mich grundsätzlich besser und ausgeglichener, sowohl physisch, als auch psychisch. Für mich ist das Pedelec das ideale Alltags-Trainingsgerät. Und: Ein Pedelec macht mehr Spaß als die Rolle!


Konntest Du schon Erfahrungen mit einem Pedelec sammeln? Ich freue mich sehr auf deinen Kommentar!

1 Antwort
  1. Ronnie
    Ronnie says:

    Hallo Johannes,

    erstmal: Tolle Seite hast Du da und Dein Interessenspektrum deckt sich geradezu gespenstisch mit meinem eigenen. Es macht Spaß hier zu lesen.

    Zum Thema: In den ersten 8 Wochen meines Haibike-Lebens habe ich die ganze Kommentare im Internet ja schon fast persönlich genommen. Da ist das Netz voll mit Leuten, die sich durch die Pedelecs „bedroht“ fühlen. Aber Du hast da sicher auch schon Deine Leseerfahrungen gemacht und so will ich mich da nicht auslassen.

    Nach nunmehr fast 1700 km XDuro RX sehe ich das recht entspannt. Früher bin ich auch „normal“ Rad gefahren und das sogar recht viel. Es kamen da auch schnell 3800 km zusammen.

    Jetzt als Familienvater ist das natürlich anders. Die 1700 km wäre ich ohne das neue Bike nie gefahren und sie haben mich zurück in den Sattel gebracht. Neben dem Job und einen ähnlichen Interessenbereich wie bei Dir (Cinema 4D, Renderings, Foto etc.) bleibt leider nicht mehr so viel Zeit wie früher.
    Dennoch: Ich fühle mich fitter denn je und bin viel mehr draußen. Das Teil bringt mich zur Arbeit (ich Warmduscher fahre nicht ganzjährig) und macht am Wochenende Laune.

    Weiter so hier. Ich komme gerne zum Lesen wieder!

    Gruß
    Ronnie

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