Ein paar Tipps zum Thema Baby und Kleinkind Fotografie

Zugebenermaßen habe ich lange überlegt, ob ich diese Thematik hier auf diesem sonst etwas technisch und nervig angehauchten Blog veröffentlichen soll. Aber da es in den normalerweise hier behandelten Themenbereichen nicht viel zu berichten gibt… In der Not frisst der Teufel Fliegen, nicht wahr? Und ein wenig Technik ist ja auch dabei.

Was ist beim Fotografieren von Babys und Kleinkindern zu beachten, wie soll man vorgehen, auf was sollte man bei der Anschaffung einer Kamera achten?

Meiner Erfahrung nach muss man gerade zu Beginn des Elterndaseins (oder der erneuten Elternschaft) bei vergleichsweise oft bei schlechtem Licht arbeiten, da kleine Menschen nur selten ihre ersten Lebensmonate bei Sonnenschein auf Sommerwiesen rumtollend verbringen, sondern sich meist in mehr schlecht als recht beleuchteten Innenräumen aufhalten.

Der Autofokus der Kamera sollte also auch bei wenig Licht gut funktionieren. Wird das Kind dann älter, sollte der Autofokus auch noch möglichst schnell sein. Hohe Anforderungen also. Manuell zu fokussieren ist leider auch keine Alternative, das funktioniert nur bei Idealbedingungen, also bei einem sich nicht bewegenden Objekt oder bei gutem Licht, wenn man sich den größeren Schärfebereich bei geschlossener Blende zu Hilfe nehmen kann, um damit eine ungenaue manuelle Fokussierung auszugleichen.

Was braucht man sonst noch bei wenig Licht? Klar, ein lichtstarkes Objektiv, also eins, welches viel Licht auf einen sensiblen Sensor fallen lässt. In der Regel muss man dabei auf eine Festbrennweite (anstatt eines Teleobjektivs) zurückgreifen. Es gibt zwar relativ lichtstarke Tele- beziehungsweise Zoom-Objektive, die auch den für Portraitfotografie idealen Brennweitenbereich abdecken, jedoch sind diese übermäßig schwer, unhandlich und auch teuer. Eine Festbrennweite ist zu bevorzugen, hier bekommt man schon für sehr wenig Geld hohe Lichtstärke.

Da man je nach Ausstattung auf hohe ISO Werte angewiesen ist, sollte man bei der Anschaffung einer Kamera darauf achten, dass auch bei Werten von beispielsweise 6400 die Verluste in der Bildqualität moderat ausfallen. Testberichte gibt es zuhauf im Internet. Generell kann man jedoch als eine Art Faustregel sagen, dass sich das Bildrauschen analog zun Verhältnis zwischen Sensorgröße und der Anzahl der Pixel verhält: Je größer der Sensor, desto weniger Farbrauschen bei hohen ISO Werten.

Mit der Belichtungszeit sind wir schon beim dritten wichtigen Parameter beim Fotografieren. Da manche Babys, wenn sie nicht gerade schlafen, nur selten und schon gar nicht auf Befehl stillhalten, sollte man, um unerwünschte Bewegungsunschärfe zu vermeiden, die Belichtungszeit auf schneller als 1/250 Sekunde einstellen.

Wird das Baby mit zunehmendem Alter in Bewegung und Mimik aktiver, lohnt es sich, die Serienbildfunktion der Kamera zu aktivieren, und statt nur einem Bild mehrere in Folge zu schießen. Ich stelle oft fest, dass das Kind beispielsweise auf dem dritten Bild noch netter lacht als auf dem ersten. Um einen aufgeblähte Bilddatenbank zu vermeiden, sollte man natürlich nur die schönste Aufnahme der Serie behalten, gerade wenn man in RAW fotografiert, und nicht einen nicht mehr zu bewältigenden Berg an zu bearbeitenden Fotos sich ansammeln lassen. Glaubt mir, ihr werdet viele Fotos machen. Sehr viele.

Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen lohnt es sich, Bilder im Rohdatenformat und nicht oder zusätzlich zu JPG aufzunehmen. Dadurch hat man eine Nuance mehr Spielraum beim Entwickeln, zum Beispiel beim Aufhellen einzelner Bildbereiche. Auch die oftmals übermäßig fleißige Rauschreduzierung mancher Kameras kann man dadurch umgehen und im Rahmen der RAW-Entwicklung mit Bedacht oder je nach Geschmack gestalterisch einsetzen.

Immer schön mobil bleiben und aus der Hand fotografieren, meiner Erfahrung nach macht es wenig Sinn, die Kamera auf einem Stativ zu fixieren. Normalerweise benutzt man eine solche Fixierung, um Verwackelungen bei langen Belichtungszeiten zu verhindern. Da Babys sich bewegen, kann man natürlich keine lange Belichtungszeit wählen. Außerdem arbeitet man bei schlechten Lichtverhältnissen oftmals mit einer offenen Blende, was mit einer geringen Schärfentiefe einher geht. Der Fokuspunkt muss also sehr genau gesetzt werden, was nur funktioniert, wenn man agil aus der Hand zielen kann. Falls man vorhat, auch Videos zu erstellen, lohnt sich der Einsatz eines Stativs schon eher, wobei es auch zunehmend unnötig wird, da die in vielen Kameras und Objektiven eingebauten Bildstabilisatoren sehr effektiv arbeiten und man auch in der Postproduktion Möglichkeiten hat.

Immer auf die Augen fokussieren, weil „Die Augen sind der Spiegel der Seele“. Ich weiß, ein etwas abgedroschener Spruch. Aber es ist was Wahres dran: Die Augen beziehungsweise die Augenpartie ist der zentrale und wohl wichtigster Bestandteil der Mimik und des Gefühlsausdrucks. Und bei Babys umso deutlicher, da die mit dem unübertroffenen Wettbewerbsvorteil Kindchenschema mit großen, runden, bunten Augen um unsere Gunst buhlen.

Und noch ein persönlicher Kommentar zum Thema Kitsch: Man kennt ja diese Standard-Babyfotos, wie sie einem beispielsweise kurz nach der Geburt vom manchmal recht aufdringlichen Hausfotografen des Krankenhauses angeboten werden. Das Motiv „Schlafendes Baby auf weißem Laken mit Stofftier“ in vielfach wiederkehrender Form garantiert der Babygalerie des Krankenhauses ein schön uniformes Erscheinungsbild. Für selbst gemachte Bilder würde ich jedoch einen nicht so sehr inszenierten sondern eher dokumentarischen Stil bevorzugen. Grundsätzlich gesehen macht man Fotos, um Erinnerungen zu konservieren und sich Vergessenes wieder ins Gedächtnis zu rufen. Ich denke, dass einem das Durchsehen des Albums in vielen Jahren mehr Freude bereitet, wenn man die Realität abgebildet hat, da bei diesem Bildstil einfach mehr Information drinsteckt. Ihr kennt das ja: Man sieht irgendetwas, erinnert sich plötzlich daran und schon geht das Gedankenkarussell los. Zugegeben, diese Argumentation klingt ein wenig weit hergeholt. Eine klar nachvollziehbare Begründung nötig? Hier bitte: Ich find kitschige Bilder einfach doof. 😉

Über Kritik, Anregungen und Erfahrungsberichten freue ich mich in den Kommentaren!

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