1000 Kilometer: Haibike Pedelec Xduro AMT RX im Dauertest

Gestern war’s dann so weit: Eine vierstellige Zahl auf dem Tacho. Zeit für ein kurzes Zwischenfazit im Dauertest des Haibike Pedelec Xduro AMT RX.

Dieses Bike, beziehungsweise wohl die ganze Klasse der Pedelec MTBs, hat absolutes Suchtpotential. Auch nach vielen Kilometern und nachdem die Anfangs-Euphorie ein wenig verflogen ist, freue ich mich wie ein kleines Kind auf die nächste Fahrt. Es macht sehr viel Laune, mit diesem Gerät über Schotterpisten zu flitzen, bei kraftraubenden, matschigen Passagen einfach die Unterstützung raufzuschalten und nervige Hügel und Steigungen glatt zu bügeln. Für mich ist das Rad sowohl das erste Pedelec als auch das erste Bike der All Mountain Klasse, deswegen fehlen mir zugegebenermaßen jegliche Vergleichsmöglichkeiten. Meine recht hohen Erwartungen wurden jedoch voll erfüllt. Ich nutze das Haibike hauptsächlich, um damit in die Arbeit zu fahren und habe mich für ein MTB entschieden, da dieser Arbeitsweg auf der von mir bevorzugten Route zu ca. 75% aus Schotterstraßen besteht. Und natürlich, um auch mal am Wochenende ein wenig Spaß zu haben. Mittlerweile bin ich mir sicher, dass es eine gute Entscheidung war, ein derartiges Spaßmobil einem mit Sicherheit alltagstauglicheren Trekkingrad vorzuziehen. So wie jedes Pedelec ist auch das MTB ein ideales Fortbewegungsmittel für Pendler: Morgens mit etwas mehr Unterstützung ohne zu schwitzen in die Arbeit, abends dann noch ein wenig Training. Oder Spaß auf verwurzelten, schnellen Trails.

Ein paar Erfahrungen, die ich während der knapp zwei Monate sammeln konnte: Der Rahmen des Bikes wirkt sehr stabil, die Federung effektiv und gut einstellbar, die Verarbeitungsqualität ist auf hohem Niveau. Alles Dinge, die man von einem Mountainbike dieser Preisklasse erwarten darf. Der Bosch Performance Antrieb funktioniert super: Feinfühlige Regelung, genügend Power für alle Lebenslagen, ordentliche Reichweite. Von der Lautstärke her allerdings teilweise ein wenig nervig, gerade bei hoher Kadenz und niedriger Geschwindigkeit. Mit einer Akkuladung komme ich mindestens 50 Kilometer weit. Auffallend dabei ist, dass die Akkuleistung extrem von der Außentemperatur abhängig. Morgens fahre ich meist den gleichen Weg, immer mit der selben Unterstützungsstufe, und merke mir, wann die Anzeige den fünften Strich verliert. Je nach Temperatur liegen mehrere Kilometer dazwischen. Leider ist es mir zweimal schon passiert, dass der Akku leer war und der Motor ausgesetzt hat. Einmal nur ca. 200 Meter von zu Hause entfernt, was eher lustig war, und einmal, ganz am Anfang, über 7 Kilometer vor dem Ziel. Was kein Spaß war, da noch einige Steigungen zu bewältigen waren. Ohne Motorunterstützung fahren zu müssen ist anstrengender als erwartet, obwohl der Motor mechanisch vom Antrieb getrennt wird, bremst, so vermute ich, das integrierte Übersetzungsgetriebe deutlich spürbar.

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten.

  • Das Lager der Umlenkrolle hat schon bei 150 km den Geist aufgegeben. Entweder hat sich irgendwie Dreck reingedrückt oder es war ab Werk fehlerhaft.
  • Die Crank Brothers Kronolog Teleskop-Sattelstütze funktioniert nicht mehr ordentlich, irgendetwas schleift und hakt beim Runter- oder Rauffahren. Und das obwohl von Anfang an der Neopren-Überzieher montiert war.
  • Der Akku wackelt und scheppert in seiner Halterung. Ein hingepappter Streifen Gummi sorgt für Ruhe. Das Schloß der Akkuhalterung war von Beginn an sehr schwergängig und lässt sich kaum drehen. Bosch hat hier gespart, wie es scheint.
  • Zwei oder dreimal hatte der Motor schon Kontakt mit Ästen und Steinen. Leider ist der von Haibike verbaute Kunstoff Motorschutz ein wenig zu schmal, so dass die Motorverkleidung getroffen wurde und der runde Deckel mit Bosch-Logo, der nur draufgeklebt ist, das Weite gesucht hat. Nachdem ich den Deckel erst nach einiger Zeit im Schnee liegend wiedergefunden habe, hat er natürlich nicht mehr richtig geklebt, daher fahre ich derzeit noch mit schickem Klebeband durch die Gegend.
  • Bei Kilometer 990 (!) ein komisches Klacken aus Richtung Motor, war aber nach ein paar Sekunden wieder weg.

 

Trotz dieser Kritikpunkte bin ich vollends zufrieden. Ich bereue nicht, mich für dieses Pedelec entschieden zu haben. Nein, mehr als das: Ich bin absolut begeistert und hoffe, dass das Rad mich noch viele Kilometer über die Felder und durch die Wälder des Dachauer Hinterlands begleitet.

2 Kommentare
    • Johannes Huß
      Johannes Huß says:

      Hallo Michael, ich fahre meist mit den ersten beiden Stufen. Bei gemeinen Anstiegen gerne auch kurzzeitig auf Turbo. Die Schutzbleche nennen sich Zéfal No Mud… Von der Schutzwirkung her vorne gut und sinnvoll, hinten werde ich in Zukunft etwas größeres dranstecken.

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