Und alles ist anders

Im Schein der Taschenlampe wage ich mich weiter vor. Eine zentimeterdicke Staubschicht hat die einst so betriebsame Werkstatt in einen Mantel aus Stille und Vergessenheit gehüllt. Um weiter vordringen zu können, entferne ich vorsichtig die Spinnweben vom Türrahmen, aufgeschreckt durch die Zerstörung ihrer monatelangen Arbeit fliehen viele kleine achtbeinige Monster aus meinem Blickfeld. Staubpartikel schweben in der stickigen, modrig riechenden Luft. Im Augenwinkel sehe ich eine Bewegung, einen Schatten, der in die Ecke huscht. War da was? Zittrig lenke ich meine schwache Lichtquelle durch den Raum. Nein, hier ist nichts, denke ich. Hier ist kein Leben. Ich fühle, wie eine Schweißperle über meinen Rücken rinnt. Flach atmend gehe ich weiter vor, jeder Schritt hinterlässt einen Abdruck im Staub. Der Lichtkegel bewegt sich durch den Raum, jede Reflexion, jeder sich bewegende Schatten lässt meinen Puls nach oben schnellen. Ein komisch anmutendes Objekt lässt mich in meiner Bewegung erstarren. Was ist das? Eine Art doppeltes Kreuz mit einem runden Zentrum, bedeckt von Staub und Spinnweben, erinnert schwach an eben diese Art. Ich spüre ein Jucken am ganzen Körper, ausgelöst durch viele tausende imaginäre Arachniden. Vorsichtig blase ich den Staub von diesem unbekannten Objekt, kann jedoch immer noch nicht erkennen, was diese Apparatur für einen Zweck hatte. Das zentrale Bauteil, eine Halbkugel, ist weiß gefärbt und mit roten Punkten versehen und erinnert schwach an einen invertierten Fliegenpilz. An den Spitzen des Doppelkreuzes sind kleine Zylinder befestigt, auf denen Propeller sitzen, geflochten aus schwarzem Material. Fasziniert betrachte ich das Gebilde aus allen Winkeln, die Funktionsweise erschließt sich mir jedoch nicht, auch nach längerem Kramen in Erinnerungen komme ich zu keinem Ergebnis. Plötzlich ein markerschütternder Schrei, wie ein Stromschlag durchfährt es mich von Kopf bis Fuß, augenblicklich bildet sich eine Gänsehaut am ganzen Körper.

Das Monster ist erwacht. Und will gefüttert werden. Oder rumgetragen. Oder hat die Windeln voll.

So in etwa läuft es derzeit. Seit wir Eltern geworden sind, fehlt mir einfach die Zeit, mich in meine Hobbys vertiefen zu können. Dazu kommt noch, dass ich seit August meinen Arbeitgeber gewechselt habe, was natürlich gerade zu Beginn auch noch ein paar Stunden extra von frei verfügbarer Zeit abzwackt. Das klingt jetzt alles recht negativ, ist es aber nicht.

Vater zu sein ist zwar anstrengend* aber auch extrem erfüllend. Ich denke, ich habe meine Zeit noch nie so sinnvoll verbracht wie jetzt.

* Ich muss jedoch betonen, dass das nichts im Vergleich dazu ist, Mutter in Vollzeit zu sein!

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