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Widerlegt: Probieren geht über studieren

Am „Was?“ und „Wie?“ mangelt es in meinem Fall nicht. Die Liste mit in diesem Leben noch herzustellenden Objekten – nennen wir sie mal ganz professionell Produkte – ist sehr, sehr lang. Soviel zum „Was?“. Was das „Wie?“ angeht, kann ich mich im Grunde auch nicht beklagen, mir fallen genügend Wege ein, ein Produkt so zu gestalten dass es funktionieren könnte.

Das „könnte“ ist das Problem. Nach den beiden oben genannten Punkten wird es zäh. Was mir fehlt, ist grundsätzliches Wissen. Antworten auf Fragen wie „Wie dick muss ich das und das gestalten damit es die und die Belastung aushält?“. Oder: „Wie schwer wird dies und das wenn ich es so und so stark mache?“. Um nur zwei Beispiele zu nennen. Auch fehlt es mir immer noch an Erfahrung im Umgang mit unserem lieben Werkstoff PLA.

Deswegen ist mein Workflow bei der Herstellung von Produkten vollkommen auf try and error basierend. Also absolut zeitraubend und ineffektiv. Und das nervt auf Dauer ungemein.

Ein kleines Beispiel: Ziel war es, eine passgenaue Halterung für die (durch den Einsatz von Gelwürfeln) entkoppelte Befestigung einer Canon S95 am Roll-/Tilt-Halter des Copters zu konstruieren. Da die Kamera durchaus auch mit Objektiv nach unten geneigt werden kann, muss die Halterung auch an der Frontseite Gewicht aufnehmen können. Nach mehreren Stunden Entwurf hier der erste Prototyp:

Zwei Teile: Ein exakt an das Gehäuse der Kamera angepasste Innenteil, welches mit dem äußeren Konstrukt über verklebte Gelwürfel verbunden ist. Man ahnt es bereits: Das Ding ist viel zu schwer! Aber da ich nach dem Motto „Probieren geht über studieren“ arbeite, muss ich es natürlich erst ausdrucken, was viele Stunden dauert. Erst danach stelle ich fest: 90g. Viel zu viel.

Wieder in Blender das Design vereinfacht. Und wieder ausgedruckt. Und wieder ein Fehler. Zu schwer? Zu instabil? Völlig daneben? Kommt leider immer erst nach dem Drucken raus. Gedruckt, fail, gedruckt, fail. So geht das dann eine ganze Woche lang. Die endgültige Lösung ist unglaublich einfach, so einfach, dass es mich ebenso unglaublich ärgert, nicht früher drauf gekommen zu sein. Zwei simple U-förmige Profile, in denen die Kamera eingeklemmt wird, natürlich mit ausreichend Gelpads gepolstert.

Und es funktioniert perfekt. Stabil und leicht, was will man mehr? Und trotzdem bin ich extrem unzufrieden, was den Entwicklungsprozess angeht. Hier wurde meine Maxime „Der Weg ist das Ziel“ eindeutig zu sehr ausgereizt.

2 Kommentare
  1. Matthias
    Matthias says:

    wo werden denn die Gel-Würfel befestigt? Hoffentlich nicht innerhalb des „U“. Die Würfel sind nur für Druck ausgelegt. Auf Scherkräfte, reagieren sie sehr empfindlich.
    4 Würfel sind super. Konnte im Garten schnell fliegen und ich war sehr zufrieden.

    Antworten
    • johannes
      johannes says:

      Hm, schon innerhalb des U. Aber seitlich liegen die Würfel nicht allzu fest an der Kamera an. Es funktioniert jedenfalls einwandfrei. 🙂

      Antworten

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